Stahlcello

Stahlcelli sind Streichinstrumente.

Sie wurden von Jan Heinke konzipiert und gemeinsam mit Albrecht Morgenstern in einer historischen Kunstschmiede in Olbernhau/Erzgebirge hergestellt.

Der Anstoß dazu kam durch eine musikalische Begegnung Jan Heinkes mit Bob Rutman in Dresden. Rutman hatte in den 1960er Jahren in den USA gemeinsam mit anderen Künstlern experimentelle Instrumente entwickelt und dabei das Bow Chime erschaffen, ein eher skulpturales Instrument, mit dem auf ähnliche Art Klänge erzeugt werden können.

Excursus

Auch bei Bob Rutman findet sich ein 'steel cello'. Dieses ist aber verschieden von Jan Heinkes Stahlcello. Wir benutzen daher auch in englischen Beschreibungen die deutsche Bezeichnung 'Stahlcello' für unser Instrument.

Für diese Art der Klangerzeugung gibt es auch andere, viel frühere Vorbilder, z.B. die Nagelgeigen der Mozartzeit, Walzenstabspiele der Romantik sowie Ernst Chladnis Experimente mit schwingenden Platten um 1800.

Nagelgeige aus Böhmen
18. Jahrhundert
(Quelle: wikipedia.de)

Das Stahlcello wurde von Jan Heinke in Stimmung und Spielbarkeit so entwickelt, dass es die Umsetzung komplexer Kompositionen und Harmonik erlaubt. Jedes Instrument verfügt über 4 Oktaven mit jeweils 12 Halbtönen in gleichstufiger Stimmung, die Oktavräume sind bei jedem Instrument unterschiedlich. Der Tonumfang des Ensembles entspricht etwa dem eines klassischen Streichquartetts und lässt sich mit weiteren, in extremen Lagen gestimmten Instrumenten bis an die Grenzen des Hörbaren erweitern.

Zwei massive Träger verbinden eine Serie verschieden langer, gestimmter Stäbe mit einer resonierenden Edelstahlfläche. Vor allem tiefere Töne entwickeln sich langsam und klingen sehr lange nach, hohe Töne klingen nur so lange, wie der Stab gestrichen wird. Die Dauer der Klangentwicklung der tiefen Töne ist gleichzeitig eine Tempogrenze für die musikalische Darbietung.

der tiefste und der höchste Ton der vom STAHLQUARTETT verwendeten Instrumente

Bei schnelleren Tonfolgen beeinflussen sich die einzelnen Töne gegenseitig und regen den Resonator zu intervalltypischen Kombinationstönen an:

Kombinationstöne: jeweils dreimal die gleichen Intervalle, unterschiedlich gestrichen
Kombinationstöne: eine Folge verschiedener Töne/Intervalle und deren Kombinationstöne

Ein weiterer typischer Klangeffekt sind Subharmonische (auch Untertöne genannt). Im folgenden Klangbeispiel stellt sich beim Spielen des gleichen Stabes beim ersten mal die untere Oktave, beim zweiten mal ein nur schwer zuzuordnender Unterton ein.

Subharmonische

Beide Klangeffekte - Kombinationstöne und Subharmonische - verschmelzen miteinander, wenn man zwei Stäbe gleichzeitig spielt:

Subharmonische und Kombinationstöne beim gleichzeitigen Spielen zweier Stäbe

Andere typische Klänge entstehen, wenn man die Stäbe sehr leicht und nahe am Träger streicht. Wir nennen diese Klänge 'Spaltklang' (siehe auch Multiphonics), da sich teilweise sehr weit auseinanderliegende, den Flageoletttönen ähnelnde Klänge einstellen:

Spaltklänge

Man kann auch das Blech mit dem Bogen streichen, dabei entstehen eher martialische, an ein Stahlwerk erinnernde Klänge.
Auch können die Stäbe angeschlagen werden, diese Spielweise benutzen wir aber nur äußerst selten, da man die Stäbe kaum spielbar von den Stabzwischenräumen aus anschlagen muss, um einen einigermaßen akzeptablen Klang zu erhalten.

Stahlcelli sind Streichinstrumente.

 

Stahlcelli sind synästhetische Objekte, welche ihrem Spielort auch visuell begegnen.
(Palais im Großen Garten, Dresden)